Für einen Artikel im prima!-Magazin über Social-Media-Sucht vor dem Hintergrund des diskutierten Social Media-Verbots wurde Bildungsdirektor Alfred Lehner für ein Interview angefragt.
Im Nachfolgenden finden Sie einige Ausschnitte. Den ganzen Artikel können Sie unter https://www.prima-magazin.at/bericht/social-media-sucht-ein-symptom-zwischen-likes-und-leere/ nachlesen.
Ein Klick, ein Video, noch eines. Minuten werden zu Stunden, das Smartphone zum ständigen Begleiter. Während die Politik in Österreich zusätzlich zum bestehenden Handyverbot in Schulen ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige einführen will, ist der Alltag vieler Jugendlicher längst digital geprägt. Der burgenländische Bildungsdirektor Alfred Lehner hält deshalb die Stärkung der Medienkompetenz für zielführender und appelliert an die Eltern zur Zusammenarbeit mit der Schule. Die Regierung begründet ihren Schritt vor allem mit dem Suchtpotenzial der Plattformen und dem Schutz vor problematischen Inhalten. Doch wo beginnt „Sucht“, wenn TikTok, Instagram und Co. zur Lebenswelt gehören?
Kommunikationsgestört?
Doch mehr Gespräche bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit im direkten Austausch. Da viele Jugendliche gefühlt „ständig am Handy hängen“ und lieber tippen als reden, drängt sich mitunter der Eindruck auf, sie seien „kommunikationsgestört“. Für Hirschmugl trifft das jedoch nicht den Kern. Jugendliche kommunizieren, aber anders. Eine zentrale Rolle spiele auch die frühkindliche Gewöhnung ans Mobiltelefon. „Ein Kind im Kinderwagen, die Mutter ständig am Handy – das hat Auswirkungen“, sagt der Psychologe, „ganz abgesehen davon, dass man schon Dreijährige mit Tablet oder Smartphone in der Hand sieht.“
Fehlende Aufmerksamkeit von Bezugspersonen beeinflusst langfristig Bindung und Selbstregulation. In direkten Begegnungen kann daraus später Angst vor Zurückweisung entstehen. Manche Jugendliche werden unsicher, vermeiden Blickkontakt und schreiben lieber, als mit ihrem Gegenüber zu sprechen.
Was ein Verbot leisten kann
Dass Altersgrenzen für die Nutzung sozialer Medien sinnvoll sein können, stellt Dietmar Hirschmugl nicht infrage: „Es macht schon Sinn, irgendwo einen Cut zu machen – so wie bei Alkohol oder Zigaretten.“ Gleichzeitig gibt er zu bedenken: „14 Jahre und dann war’s das? Das löst ja gar nichts.“ Entscheidend sei weniger die konkrete Altersgrenze als die Fragen, wer kontrolliert und wer Verantwortung trägt. „Die Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen liegt bis zu deren Volljährigkeit immer bei den Eltern und niemals bei den Schulen“, stellt Bildungsdirektor Lehner klar. Auch eine höhere Altersgrenze, etwa 16 Jahre, würde daran wenig ändern. Ohne klare Regeln im Elternhaus bleibe ein Verbot nur bedingt wirksam. „Die Schule nimmt eine pädagogische Rolle ein und unterstützt die Eltern und Erziehungsberechtigten in der Lebensbegleitung ihrer Kinder – nicht mehr und nicht weniger“, so Lehner.
Textquelle: prima!-Magazin/Nicole Matsch
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