Umfrage unter mehr als 4.000 Schülerinnen und Schülern Grundlage für weitere Optimierungen – Pilotprojekt liefert konkrete Ansatzpunkte für bessere Busverbindungen, rasche und präzise Fahrgastinfos sowie weniger Elterntaxis vor Schulen
Der tägliche Schulweg ist für tausende Kinder und Jugendliche im Burgenland eng mit dem öffentlichen Verkehr verbunden. Damit das Angebot noch besser an den Schulalltag angepasst werden kann, wurden im Rahmen eines landesweiten Pilotprojekts die Mobilitätsbedürfnisse an mehr als 30 Schulen umfassend untersucht. Mehr als 4.000 Schülerinnen und Schüler nahmen an der Befragung teil. Zusätzlich wurden Unterrichtszeiten sowie die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Busse analysiert. Verkehrslandesrat Heinrich Dorner unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Ein sicherer und gut organisierter Schulweg schafft Selbstständigkeit, reduziert das Verkehrsaufkommen rund um die Schule und ermöglicht einen zukunftsorientierten Start in den Schultag. Mit den Rückmeldungen tausender Schülerinnen und Schüler verfügen wir über eine starke Datengrundlage, um gezielt dort anzusetzen, wo im Alltag Verbesserungen gebraucht werden.“
Die ersten Ergebnisse der Befragung zeigen ein klares Bild: 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler kommen schon jetzt regelmäßig mit dem Bus zur Schule. Fast 20 Prozent werden immer noch mit dem Auto gebracht oder fahren selbst mit dem Auto – etwas mehr als zehn Prozent kommen mit dem Rad oder zu Fuß zur Schule. Während die Anreise zur Schule mit dem Bus in der Früh sehr gut funktioniert, stellt sich die Heimfahrt speziell nach dem Nachmittagsunterricht teilweise etwas schwieriger dar. Da gibt es weniger Verbindungen und dadurch entstehen längere Wartezeiten. „Die erhobenen Daten bilden nun eine fundierte Grundlage, um gemeinsam mit den Schulen, den Gemeinden und den Verkehrsbetrieben Burgenland (VBB) realistische Verbesserungen zu prüfen und schrittweise umzusetzen“, so der Verkehrslandesrat.
Ein zentrales Problem im Schulumfeld sind die sogenannten Elterntaxis. Wenn viele Kinder gleichzeitig unmittelbar bis vor den Schuleingang gebracht oder dort abgeholt werden, entstehen im Schulumfeld zusätzlicher Verkehr, unübersichtliche Situationen und gefährliche Konflikte. Haltende und wendende Fahrzeuge können Sichtbeziehungen einschränken, Gehwege oder Zufahrten blockieren und damit gerade jene Kinder gefährden, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder selbstständig mit dem Bus zur Schule kommen. „Gute Busverbindungen, verständliche Informationen für Schülerinnen und Schüler und Eltern sowie geeignete Bring- und Abholzonen außerhalb des unmittelbaren Eingangsbereichs können das Verkehrsaufkommen vor Schulen deutlich reduzieren“, erläutert Dorner.
Gerhard Gürtlich, Leiter der Burgenländischen Mobilitätsorganisationsgesellschaft (BUMOG), ist für die Organisation der Busverkehre im Burgenland verantwortlich. Gürtlich betont: „Die Schülerinnen und Schüler sind für uns eine wichtige Kundengruppe. Wir arbeiten gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben Burgenland ständig daran, das Angebot zu verbessern. Mit dem Pilotprojekt wollen wir weitere Optimierungsmöglichkeiten evaluieren und vorhandene Informationen gut aufbereitet allen Beteiligten zur Verfügung stellen.“
Neuer Leitfaden bündelt Wissen und praktische Hilfen
Als weiterer Baustein des Projekts wurde der Leitfaden „Mobilität rund um die Schule“ entwickelt. Er richtet sich insbesondere an Direktorinnen und Direktoren wie auch Mobilitätsbeauftragte und bündelt alle wichtigen Fragen zur An- und Abreise: von Busverbindungen, Fahrplanauskunft, digitalen Angeboten und Tickets über Mobi-Checks bis zu Elterninformation, Ansprechpartnerinnen und -partnern, Verkehrssicherheit und aktiver Mobilität.
Von Beginn an in das Projekt eingebunden ist die Bildungsdirektion Burgenland. Christian Pronai-Mariel, Verkehrsreferent der Bildungsdirektion Burgenland, hebt vor allem den Praxisbezug hervor: „Schulen kennen die täglichen Abläufe und Herausforderungen besonders gut. Die Verbindung von Schülerbefragung und dem Abgleich der Unterrichtszeiten mit den konkreten Busdaten ermöglicht es, Probleme nicht nur wahrzunehmen, sondern nachvollziehbar zu bewerten. Der neue Leitfaden unterstützt die Schulen zusätzlich dabei, Informationen rasch und verständlich an Schülerinnen und Schüler wie auch Eltern weiterzugeben.“
Orientierung schafft Sicherheit
Neben dem Fahrplan ist auch die Qualität der Information entscheidend. Schülerinnen und Schüler müssen rasch erkennen können, wohin ein Bus fährt, und an welchem Bussteig oder Abfahrtsort dieser hält. Eine eindeutige Zielbeschilderung der Linien, übersichtliche Bussteigpläne und gut sichtbare Fahrgastinformationen reduzieren Unsicherheit, Hektik und Gedränge. Beispielgebend dazu wurden von den Verkehrsbetrieben Burgenland im vergangenen Schuljahr erste Verbesserungen beim Gymnasium Oberpullendorf vorgenommen.
Auch die Rahmenbedingungen spielen eine zentrale Rolle: Ausreichend freie Sitzplätze, der respektvolle und freundliche Umgang durch das Fahrpersonal, eine verlässliche Kommunikation mit Eltern sowie gut ausgestattete Haltestellen beeinflussen, wie sicher und angenehm der Schulweg erlebt wird.
Christine Zopf-Renner, Leiterin der Mobilitätszentrale Burgenland, die das Projekt im Auftrag der BUMOG umsetzt, sieht vor allem in der klaren Kommunikation einen wichtigen Schlüssel: „Gute Schulmobilität beginnt mit verständlicher Information. Wenn Schülerinnen und Schüler wissen, welcher Bus wohin fährt, wo er abfährt, und an wen sie sich bei Fragen wenden können, schafft das Sicherheit und Selbstständigkeit. Mit dem Leitfaden geben wir den Schulen ein Werkzeug in die Hand, das sich unmittelbar im Schulalltag einsetzen lässt.“
Von der Erhebung zur Umsetzung
Die Ergebnisse werden nun standortbezogen ausgewertet, und mit den Schulen sowie den zuständigen Stellen werden die Maßnahmen abgestimmt. Im Mittelpunkt stehen insbesondere mögliche Anpassungen bei Nachmittagsverbindungen, eine bessere Abstimmung von Unterrichts- und Abfahrtszeiten, klarere Informationen an den Haltestellen sowie Maßnahmen gegen Überfüllung. Nicht jede Schule benötigt dieselbe Lösung: Einzugsgebiet, Altersgruppe, Unterrichtsorganisation und bestehendes Verkehrsangebot müssen jeweils gemeinsam betrachtet werden. In weiterer Folge ist die Ausrollung des Pilotversuchs auf alle mittleren und höheren Schulen im Burgenland geplant.
Regelmäßige Mobilitäts-Checks sollen zukünftig sichtbar machen, ob gesetzte Maßnahmen wirken und wo neuer Handlungsbedarf entsteht. Ziel ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der Schulen, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Gemeinden und Verkehrsunternehmen gleichermaßen einbindet.
Bildtext:
LR_Dorner_Schulen_Mobilität_001 (v.l.n.r.): Gerhard Gürtlich (Geschäftsführer Burgenländische Mobilitätsorganisationsgesellschaft mbH - BUMOG), Verkehrslandesrat Heinrich Dorner, Christine Zopf-Renner (Leiterin der Mobilitätszentrale Burgenland) und Christian Pronai-Mariel, Bildungsdirektion Burgenland
Text- & Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
